LIONS CLUB Altenburg
LIONS CLUB Altenburg

Kein Blech geredet, sondern viel Blech geblasen

Sonntag, den 20. April 2008 um 00:00 Uhr

Quelle: OVZ vom 18. April 2008

Der Erlös aus dem Benefizkonzert des Altenburger Lions Clubs mit dem Wehrbereichsmusikkorps aus Erfurt kommt Kindern und Jugendlichen zugute

Altenburg. „Wenn die Soldaten durch die Stadt marschieren, öffnen die Mädchen die Fenster und die Türen. Ei warum, ei darum ... Ei nur wegen Dschumdarassa, Dschumdarassabum.“ Dieses alte Lied beweist, dass das Interesse an musizierenden Soldaten schon immer groß war und heute noch ungebrochen ist. Aktueller Beweis dafür war das Benefizkonzert des Wehrbereichs-Musikkorps III Erfurt am Dienstagabend im großen Haus des Landestheaters. Der Saal war voll besetzt und für militärmusikbegeisterte Gymnasiasten wurde der dritte Rang geöffnet.

Das Wehrbereichsmusikkorps III aus Erfurt unter Leitung von Oberstleutnat Roland Kahle beim Benefizkonzert im Landestheater Altenburg.

Das Wehrbereichsmusikkorps III aus Erfurt unter Leitung von Oberstleutnat Roland Kahle beim Benefizkonzert im Landestheater Altenburg. Foto: Jens Paul Taubert

Heute hat sich die Militärmusikszene vollkommen geändert. Die Bundeswehr musiziert noch, wie es die Tradition fordert. Selten jedoch zu Platzkonzerten wie ehemals. Wenn schon im Freien, dann meistens nur zu offiziellen militärischen Zeremonien. Ansonsten veranstalten die Musikkorps der Bundeswehr Konzerte in großen Sälen wie renommierte Orchester. So auch das Musikkorps aus Erfurt, das noch bis Jahresende rund 40 Konzerte zwischen Potsdam und Hof gibt. Eines davon fand nun als Benefizkonzert des Lions Clubs Altenburg statt.

Dieses Orchester unter der Leitung von Oberstleutnant Roland Kahle ist ein sinfonisches Blasorchester mit fast 50 Musikern und war vor zwei Jahren schon einmal in Altenburg zu Gast. Da wurde auf der Bühne kein Blech geredet, sondern mit viel Blech geblasen, dass es für das so zahlreiche Publikumnur so eine Freude war. Das Repertoire ist längst nicht mehr nur auf Militärmärsche beschränkt, obwohl sich diese, von den Militärmusikprofis gespielt, sehr gut anhörten. Das Repertoire aller größeren Blasmusikensembles hat sich neben den original dafür komponierten Musikenmit Bearbeitungen aus dem sinfonischklassischen Bereich und aus der Unterhaltungsmusik einschließlich Rock und Tanzmusik so stark erweitert, dass in einem mehrstündigen Programm erstere nur noch einen Bruchteil ausmachen. Mit dem Jahreskonzert des 1. Ostthüringer Blasorchesters Nobitz am vergangenen Sonntag konnten sich die Altenburger so gleich zweimal innerhalb von wenigen Tagen davon überzeugen.

 Das Musikkorps Erfurt zauberte einen musikalischen Mix auf die Bühne, der die Zuschauer von Titel zu Titel immer mehr in Begeisterung versetzte. Es begann sein Programm mit der Olympischen Fanfare von John Williams, für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles geschrieben und durchaus legitim im Olympiajahr 2008. Danach wurde mit der Entdeckungsfantasie des Holländers Jan de Haan das Motto des Programms gegeben: Auf der Suche nach Musik.

 Da wurden zuerst Märsche gesucht und in der Ukraine, in Ungarn, in Tschechien, in den USA und in England gefunden. Das waren nicht immer die bekanntesten, aber ländertypische und von dem großen Orchester schmissig und flott gespielt. Dann aber gab es im ersten Teil des Programms Blasmusikbearbeitungen klassischer Werke, was immer die musikalische Visitenkarte für ein sinfonisches Blasorchester darstellt. Die aber war bei den Erfurtern mit Gold verbrämt. Mit der Ouvertüre zur Oper Ruslan und Ludmilla von Michail Glinka hatten sie sich einen tüchtigen Brocken vorgenommen. Wie dabei die Klarinetten und Flöten die raschen Streicherkaskaden der Originalpartitur wiedergaben, war technisch brillant gemacht. Und noch einmal brillierte eine Klarinette – die des Hauptfeldwebels Felix Ölke als Geigenersatz im berühmten Czardas von Monti. Leichtigkeit des Spiels und technisches Vermögen des Solisten führten zum Jubel. Ein Bravourstück war die Wiedergabe der wohl bekanntesten der sechs Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt, der zweiten.

Der zweite Teil war geprägt durch mehr Show bei der Samba-Fieber – Soldaten nicht im Stahlhelm, sondern mit Sambahut sind schon etwas Besonderes – und beim Beatles-Medley, dem Höhepunkt am Ende. Beifall über Beifall und eine Zugabe nach der anderen. Viel Beifall auch für den amtierenden Präsidenten des gastgebenden Lions Club, Peter Friedrich, der das Orchester nach Altenburg geholt hatte, das auf Gage verzichtete und es dem Präsidenten so ermöglichte, mit dem Erlös aus den Eintrittskarten der gemeinsamen Stiftung des Lions und des Rotarier Clubs für psychisch, physisch, aber auch sozial oder kulturell benachteiligte Kinder und Jugendliche im Altenburger Land 3000 Euro zur Verfügung zu stellen. 1000 Euro überreichte er an die Verantwortlichen von Jugend
forscht und Jugend experimentiert.

Manfred Hainich